Fußball lieben fast alle. Aber nicht alle tragen dasselbe Trikot. Die einen singen in der Kurve andere Lieder als die anderen, haben ein anderes Stadion und ihre eigenen Rituale. Und trotzdem spielen alle dasselbe Spiel, nach denselben Regeln, mit demselben Ball.
So ähnlich ist es mit uns Katholiken und unseren evangelischen Nachbarn. Wir haben unterschiedliche Vereinsfarben und unterschiedliche Gesangbücher. Aber wir haben dasselbe Evangelium, dieselbe Taufe und denselben Trainer.
Wer bei uns in der Oberliga spielt und wer in der Kreisklasse, hängt weniger vom Können ab als von der Postleitzahl. Zumindest hier im Südhildesheimer Bereich. In manchem Dorf sind wir die Großen, zwei Orte weiter ist es genau umgekehrt. Wer in der Kreisklasse spielt, weiß aber: Dort wird mit besonders viel Herz gespielt. Am Ende kennt man sich, und nach dem Spiel steht man ohnehin zusammen am Würstchenstand.
Übrigens: Luther veröffentlichte seine Thesen am 31. Oktober 1517, am Vorabend von Allerheiligen, und zwar an einer Allerheiligenkirche. Heute stehen Reformationstag und Allerheiligen direkt nebeneinander im Kalender, wie zwei Heimspiele am selben Wochenende. Beide erinnern daran, dass wir zur selben „Wolke von Zeugen“ gehören (Hebr 12,1). Man könnte auch sagen: zur selben großen Fankurve des Himmels.
Unsere Ökumene lebt nicht vom Gipfeltreffen, sondern vom Alltag. Sie lebt im Schulgottesdienst, auf dem Friedhof, am Krankenbett und beim Gespräch über den Gartenzaun. Beide Seiten erleben gerade ähnliche Umbrüche: weniger Hauptamtliche, größere Räume, mehr Fragen. Da tut es gut zu wissen, dass wir nicht allein auf dem Platz stehen.
Unseren evangelischen Schwestern und Brüdern wünschen wir einen gesegneten Reformationstag und uns allen ein frohes Allerheiligenfest! Wir haben mehr gemeinsame Heilige, als wir denken.
Ihr Pfarrer Lampe & Team