Freitags 5nach6 - Reformation

30. Oktober 2026

488 5nach6 30.10.2026 Reformation 2                             Ps Ein feste Burg EG 362

Morgen ist Reformationstag – ein Tag, der uns an ein Ereignis aus dem ausgehenden Mittelalter erinnert, das aber Folgen bis heute hat. Ich möchte heute die negativen Folgen ausblenden – Kirchentrennung, Kriege u.a.m.

Es fing an mit Martin Luthers bahnbrechender Erkenntnis: Nicht wir müssen uns durch gute Werke und selbstquälerische Praktiken (z.B. Geißelungen) die gnädige Liebe Gottes verdienen. Gott kommt uns zuvor – sichtbar in der Taufe sagt er uns seine Liebe und Gnade zu. Damit sind wir gestärkt und befreit zur Liebe gegenüber Gott, unserem Mitmenschen, der Schöpfung insgesamt und uns selbst. Da könnten die guten Werke nur so aus uns heraussprudeln.

Tun sie aber nicht. Wir bleiben Gott, unserem Mitmenschen, der Schöpfung insgesamt und uns selbst einiges schuldig. Das ist Sünde. Aber auf Gottes liebevolle Gnade hoffen zu können, das bleibt uns auch als Sünder. Das ist das Evangelium, die frohe Botschaft.

Dieser Glaube ist eine sehr persönliche Angelegenheit. Luthers Gedanke, dass der Gläubige vor Gott selbst und direkt verantwortlich ist (ohne zwingende Vermittlung durch den Priester), stärkt bis heute das moderne Bewusstsein für das Individuum und die persönliche Mündigkeit.

Luther wollte also dem einzelnen Menschen das Evangelium nahe bringen. Dazu waren die Offenheit, die „Empfangsbereitschaft und -fähigkeit“ für das Evangelium als Voraussetzung für Glauben und Handeln wichtig – und Luther dachte ganz praktisch.

Dann musste jeder Einzelne diese Botschaft auch verstehen. Gottesdienstsprache wurde Deutsch.

Dann brauchten alle auch Verstehenshilfen. Er brachte Katechismen heraus, in denen er die wichtigsten Glaubensstücke (Zehn Gebote, Glaubensbekenntnis, Vaterunser, Taufe, Abendmahl) in der Sprache seiner Zeit verständlich erläuterte.

Die persönliche Befassung mit biblischen Texten war aus Luthers Sicht unersetzlich und dem reinen Hören überlegen. Er übersetzte die Bibel ins Deutsche. Das prägte die einheitliche deutsche Schriftsprache maßgeblich. Zudem beförderte die Reformationsbewegung den rasanten Ausbau des Buchdrucks als Massenmedium.

Um die Bibel lesen zu können, musste man das Lesen gelernt haben. Luther forderte die Schule für alle Jungen und Mädchen.

Luther wusste, das Hören und Lesen allein schwierig sein und nicht ausreichende „Tiefe“ erreichen können. Eine Lösung: Auswendiglernen, am Besten in Reim und Vers, am Besten mit einer Melodie! Luther dichtete Kirchenlieder.

Luther sah jeden Einzelnen in der Verantwortung nicht nur für den persönlichen Glauben sondern auch in der Weitergabe des Evangeliums in Wort und Tat. Er sprach vom Priestertum aller Gläubigen.

Luther wollte die Gemeinschaft der Gläubigen vor Ort stärken und von römischer Bevormundung und Ausbeutung seelischer und materieller Art (Ablasshandel) befreien und von selbstherrlichen Eingriffen der Priester befreien. Er beförderte Kirchenordnungen, in denen auch sog. Laien eine Rolle spielten.

Kirchenaufsicht lag zunächst in der Hand der Landesherren, die Aufsicht staatlicher Schulen in kirchlicher Hand. Allmählich kam es zu einer Trennung von Kirche und Staat. Die Kirche wurde eine unabhängige Körperschaft in kritischer Partnerschaft mit dem Staat.

Luther sah das Problem der Armen und deren Abhängigkeit von den barmherzigen Zuwendungen, die reichere Menschen gewährten – oder auch nicht. Die Kirchenordnungen regelten die kirchliche Armenfürsorge, die später in eine staatliche Fürsorge überführt wurde.  

Luthers Idee der Gleichheit aller Menschen vor Gott und das Hinterfragen von Autoritäten gelten als wichtige geistige Wegbereiter für den modernen demokratischen Rechts- und Sozialstaat. moderne Rechts- und Demokratiekonzepte.

 

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