Freitags 5nach6 - Pfingsten

26. Mai 2026

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„Wir steuern ja auf Pfingsten zu! Dieses Fest gilt auch als „Geburtstag der Kirche“. Warum, das ist eine gesonderte Betrachtung wert.“ So hatte ich es bei meinem letzten 5nach6 gesagt. Und was man versprochen hat …

Pfingsten – was ist das für ein Fest! Drei Tage frei, für die Schüler- und Lehrerschaft sogar noch der Dienstag! Und das bei oft bestem Wetter!

Man kann den Satz allerdings auch anders sprechen … Etwa so:

Pfingsten? Was ist das für ein Fest? Elternteile, auch etliche Religionslehrkräfte, ja, selbst der/die eine oder andere Pastor/in kommen ins Stottern.

Wikipedia weiß: Pfingsten (von griechisch  pentēkostē hēméra, deutsch ‚fünfzigster Tag‘; lat. Dominica Pentecostes) ist ein christliches Fest. … Der Pfingstsonntag ist der 50. Tag der Osterzeit, also 49 Tage nach dem Ostersonntag.

Ja, und wieso 50? Nun, Juden – und Jesus und seine Anhänger waren ja Juden – feiern 50 Tage nach dem Pessach-Fest (da ist Jesus ja gekreuzigt bzw. auferstanden) ein Wallfahrtsfest. Viele Juden von überallher pilgern dann zum Tempel in Jerusalem.

Ja, gut, aber was hat das mit Christen zu tun und dem Geburtstag der Kirche? Ist unsere Johanniskirche Pfingsten gebaut worden? Das ist doch immer ein anderes Datum!

Nein, nein, es geht um das, was Pfingsten im Jahr 30 n.Chr. passiert sein soll und was als Geburtstag der Weltkirche gesehen werden kann. Wikipedia erklärt: Im Neuen Testament wird in der Apostelgeschichte erzählt, dass der Heilige Geist auf die Apostel und Jünger herabkam, als sie zum jüdischen Wallfahrtsfest in Jerusalem versammelt waren (Apg 2,1–41). Heiliger Geist, ist ja aus dem Glaubensbekenntnis bekannt.

Und was war da genau los?

Lukas erzählt in der Apostelgeschichte dies (Apg 2, 1-41 - gekürzt und bearbeitet, Bibeltext kursiv):

Als das Pfingstfest kam, waren wieder alle zusammen, die zu Jesus gehörten. 2Plötzlich kam vom Himmel her ein Rauschen wie von einem starken Wind. Das Rauschen erfüllte das ganze Haus, in dem sie sich aufhielten.

3Dann erschien ihnen etwas wie züngelnde Flammen. Die verteilten sich und ließen sich auf jedem Einzelnen von ihnen nieder. 4Alle wurden vom Heiligen Geist erfüllt.

Sie begannen, in fremden Sprachen zu reden – ganz so, wie der Geist es ihnen eingab. 5In Jerusalem lebten auch fromme Juden aus aller Welt, die sich hier niedergelassen hatten. 6Als das Rauschen einsetzte, strömten sie zusammen. … 7Erstaunt und verwundert sagten sie: »Sind das nicht alles Leute aus Galiläa, die hier reden? 8Wie kommt es, dass jeder von uns sie in seiner Muttersprache reden hört? 9Wir kommen doch aus aller Welt! Doch wir alle hören diese Leute in unseren eigenen Sprachen erzählen, was Gott angeblich Großes getan hat.«

Andere spotteten: »Die haben zu viel süßen Wein getrunken!«

14Da trat Petrus vor die Menge, zusammen mit den anderen elf Aposteln. …: »Ihr Leute …! Lasst euch erklären, was hier vorgeht, … 15Diese Leute hier sind nicht betrunken, ... 17›Gott sprach schon zum Propheten Joel:

… Ich werde meinen Geist über alle Menschen ausgießen. 22 … Es geht um Jesus, den Nazoräer. Gott selbst hat euch gezeigt, wer er war. Mitten unter euch hat Gott durch ihn machtvolle Taten, Wunder und Zeichen geschehen lassen. Das wisst ihr ja selbst! … Ihr habt ihn von den Heiden ans Kreuz schlagen und umbringen lassen.

24Aber Gott hat ihn auferweckt und aus der Gewalt des Todes befreit. Denn der Tod hatte keine Macht über ihn und konnte ihn nicht festhalten. Gott hat Jesus auferweckt. Dafür sind wir alle Zeugen. 33Er ist emporgehoben worden, sodass er neben Gott sitzt. Er hat vom Vater die versprochene Gabe erhalten: den Heiligen Geist. Den hat er über uns ausgegossen. Und genau das ist es, was ihr hier seht und hört. Diesen Jesus, den ihr gekreuzigt habt, hat Gott zum Herrn und Christus gemacht.«

37Mit seinen Worten traf Petrus die Zuhörer mitten ins Herz. Sie fragten ihn und die anderen Apostel: »Ihr Brüder, was sollen wir tun?«

38Petrus antwortete: »Ändert euer Leben! Lasst euch alle taufen im Namen von Jesus Christus. Dann wird Gott euch eure Schuld vergeben und euch den Heiligen  Geist schenken. 39Diese Zusage gilt für euch und eure Kinder. Und sie gilt für alle in den fernen Ländern – so viele Gott noch zum Glauben an Jesus hinzurufen wird.«

41Viele nahmen die Botschaft an, die Petrus verkündet hatte, und ließen sich taufen. An diesem Tag gewann die Gemeinde ungefähr 3000 Menschen hinzu.

Deshalb gilt Pfingsten als Geburtstag der Kirche.

Ich denke, wir glauben an Gott. Jetzt ist von Vater, Sohn und Heiligem Geist die Rede! Also von drei Personen?!

Jörg Lauster, Theologie-Professor, schreibt (J.Lauster, Der Stachel des Geistes, in: Publik Forum, 9/2026, S.35ff):

Hätte das frühe Christentum sich einer Werbeagentur unserer Tage anvertraut, gäbe es das Pfingstfest nicht. Zu kompliziert … Mindestens 300 Jahre hat das Christentum ja schon damals gebraucht, um sich von dem Geschehen von damals einen Begriff zu machen: Gott, der Urgrund allen Seins, zeigt sich in einem Menschen, im Leben und Sterben der Person Jesus Christus. Nach dessen Auferstehung wirkt Gott weiter in dieser Welt, als Geist in den Herzen der Menschen, in seiner Kirche, in der Geschichte und im Universum. Leicht zu vermarkten ist es nicht, was das Christentum als seine innere Wahrheit da verehrt und feiert.

Wenig später bescheinigt er der sog. Dreieinigkeit von Gott Vater, Sohn und Heiligem Geist: In all ihrer Sperrigkeit ist diese Trinitätslehre (Tri = drei) ein Meisterstück christlicher Theologie.

Gott ist einerseits der ganz Andere (Karl Barth) – fremd, unvorstellbar, weit weg von mir in Raum und Zeit. Nur in Bildern können wir uns eine Vorstellung von ihm machen, ohne ihn je auch annähernd erfassen zu können. Psalm 23 stellt ihn sich als Hirten vor, Martin Luther als „feste Burg“. Gott kommt andererseits den Menschen nah – als Bruder, geboren in kleinen Verhältnissen, verfolgt, ermordet – und mit einer unfassbaren Botschaft: Der Liebe Gottes zu den Menschen und daraus abgeleitet der Aufforderung zur Nächstenliebe. Aber das ist eben auch schon 2000 Jahre her. Und heute? Gott bleibt uns nahe als Kraft in und um uns. Ein Gott in drei Erscheinungsweisen.

Prof. Lauster macht eine interessante Beobachtung: Andere Wissenschaftler bescheinigen der Religion, mit ihren … Themen wie ein Stachel in unsere Gegenwart hineinzuragen. Religion äußert ein Bewusstsein davon, was fehlt – an Liebe, z.B. Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung. Religion verhindert, sich … einfach mit der Welt abzufinden, wie sie ist. … Religion scheucht aus eingespielten und abgeschlossenen Sichtweisen auf die Welt auf. (S.36).

Wer auf das Bewusstsein von dem verzichtet, was fehlt, was nicht in Ordnung ist, sinkt herab in stumpfe Gleichgültigkeit und egoistische Selbstgenügsamkeit. Wie warb doch einmal die Postbank: Hauptsache ICH - ganz im Sinne der Redensart: Wenn jeder an sich denkt, ist auch an jeden gedacht.

Weiter J.Lauster: Vielen … mag es kühn vorkommen, heute in einer Welt, die aus den Fugen zu geraten scheint, die Gegenwart des göttlichen Geistes anzunehmen. … Wer jedoch den Geist als Stachel versteht, der Menschen leise, aber beharrlich aufstört, für den schimmert Hoffnung durch. Denn der Stachel bewirkt eine heilsame Unruhe. Nichts muss so sein, wie es ist. Der Geist inspiriert zu Ausblicken auf das Bessere (S.36).

Der Geist befreit zu etwas Größerem als den eigenen Interessen. Er befreit zu der Phantasie, in den Herausforderungen unserer Zeit Chancen zu erblicken und neu darüber nachzudenken, was wir eigentlich (nicht) tun, wenn wir arbeiten und wirtschaften, und wie er es künftig tun wollen. …

Der Geist hat ein Bild in die Köpfe der Menschen gepflanzt, ein Bewusstsein davon, was sein könnte. Menschen, die in der Kraft des Geistes über ihren Schatten springen, andere, bessere werden. Menschen, die für ihr Leben dankbar sind und sich in Frieden darin ergänzen, diese Dankbarkeit auf viele Arten zu leben. …

Pfingsten hält uns das Bild einer Welt vor Augen, in der die Kraft des Geistes wirkt, eine Kraft, die Menschen anspricht, fordert, antreibt, schreckt und auch tröstet … Der Trost des Pfingstfestes mag in unseren Tagen nicht begeistert ausfallen, aber seine Kraft wirkt mit stiller Kraft. Never give up!

Frohe Pfingsten – auch nach Pfingsten!    

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