Freitags 5nach6 - Losung Wort für Wort

17. Januar 2026

456 5nach6_23.01.26_Losung Wort für Wort               Ps 34

Wie Sie wissen, bin ich ein Freund davon, Ansagen etwas genauer zu betrachten, Worte auf die Goldwaage zu legen, zwischen den Zeilen (und Worten) zu lesen, zu schauen, was hinter Worten steckt oder stecken könnte. Das möchte ich natürlich auch bei der Ansage für 2026, der Jahreslosung tun: Gott spricht: Siehe, ich mache alles neu!“ (Offenbarung Johannes 21,5)

Da sollen wir also zunächst hinsehen, Gott fordert uns auf: Siehe

Selbst sollen wir uns überzeugen von Sachverhalten und Entwicklungen, die Dinge in Augenschein nehmen und nicht nach dem Hörensagen (oder nach dem unkritischen Teilen in den sog. sozialen Netzwerken) urteilen. Dabei müssen wir uns bewusst sein, wie leicht wir etwas übersehen, ja, dass wir sogar blind sein können für bestimmte Dinge.

 

Wenn ich versucht habe, nach einem Streit auf dem Schulhof herauszubekommen, was denn nun genau geschehen war, bekam ich von den Beteiligten – logischerweise – unterschiedliche Darstellungen – natürlich war immer der andere Schuld. Die jeweiligen Freunde gaben natürlich ebenfalls parteiliche Beobachtungen zum Besten, aber auch die Angaben unbeteiligter Zeugen klafften z.T. erheblich auseinander. Wir sehen, was wir sehen können – und wollen.

Wir neigen zudem dazu, Risiken und Gefahren mehr Aufmerksamkeit zu schenken und uns stärker von negativen Ereignissen beeinflussen zu lassen. Diese Einstellung ist aus Urzeiten tief in unserem Gehirn verankert, da sie uns hilft, Gefahren frühzeitig zu erkennen und zu vermeiden. Es war seinerzeit überlebenswichtig, sich weniger auf das schöne Vogelgezwitscher zu konzentrieren, dafür aber mehr auf das Rascheln im Unterholz. Das konnte zwar eine Maus sein, aber eben auch ein Säbelzahntiger …

 

Diese verzerrte, einseitige Wahrnehmung der Wirklichkeit führt möglicherweise zu einer ängstlichen, einseitig kritischen, pessimistischen Weltsicht (Schwarzmaler) und kann uns davon abhalten, Hoffnungen zu entwickeln, Chancen zu erkennen und zu nutzen.

 

Ich möchte daher noch einmal an den Thermomix-Blick von Pfr. Lampe aus unserer kath. Schwestergemeinde erinnern. Sein Mixgerät spuckt nach Eingabe des Kühlschrank -inhalts Rezepte für leckere Gerichte aus! Und der Pfarrer hatte vorher enttäuscht festgestellt: „Nichts da, woraus man etwas Gescheites zubereiten kann!“ Uns fehlt bisweilen der Blick für das, was eben doch (noch) da ist und was immer noch möglich ist.

Danach hören wir ein deutliches Ich! Bin ich schon wieder dran? Nein, Gott spricht von sich, er ist – zunächst - der Handelnde! In diesen drei Buchstaben liegt zweierlei verborgen: Zum einen liegt darin ein Überforderungsschutz. Es hängt nicht alles an mir. Zum anderen liegt darin ein Vorrat an Hoffnung, der mir geschenkt wird.  

Also ab in den Sessel und Hände in den Schoß? Nein, aber auch nicht Hamsterrad.

Vom evangelischen Pfarrer und Widerstandskämpfer Dietrich Bonhoeffer wird überliefert: Ich glaube, dass Gott uns in jeder Notlage so viel Widerstandskraft geben will, wie wir brauchen. Aber er gibt sie nicht im Voraus, damit wir uns nicht auf uns selbst, sondern auf ihn verlassen.

Erinnern Sie sich an den Hirtenjungen David, der gegen den riesigen Goliath antrat – und gewann? Wie oft waren es die sog. „Kleinen Leute“, denen man wenig bis nichts zutraute, die umwerfende Veränderungen in Gang brachten – Rosa Parks, die mit ihrem Verhalten im Bus den anhaltenden Kampf gegen Rassendiskriminierung in den USA in Gang brachte!

Wir dürfen auf den Geist Gottes vertrauen, der uns stärken und in Gang setzen möchte! Franz von Assisi bringt das in seinem berühmten Gebet zum Ausdruck „Herr, mach mich zum Werkzeug deines Friedens“.

„Wir müssen ins Machen kommen!“ So hört man es aktuell wieder von verschiedenen Politikern. Gott ist schon dabei: Siehe, ich mache!

Wir sprechen oft von Gottes Wort – und verkündigen es. Und der Evangelist Johannes schreibt ja auch „Am Anfang war das Wort!“ (Joh 1,1) Aber dabei bleibt es nicht! Aus den Worten in der Schöpfungserzählung „Es werde …“ (1Mose 1,3) wird tatsächlich etwas, nämlich Licht! Und auch die Erzählung von der Erschaffung des Menschen sieht Gott als Macher, als Handwerker, der den Menschen aus Lehm formt.

Gott redet nicht bloß – zu Propheten oder durch Jesus in der Bergpredigt – er handelt. Die Befreiung der Israeliten aus ägyptischer Unterdrückung zeigt es. Und Jesus redet nicht nur von Nächstenliebe, er praktiziert sie, wenn er sich um Kranke oder andere Menschen am Rande der damaligen Gesellschaft kümmert.

Gottes Handeln geht über unser Vorstellungsvermögen hinaus. Er wirbt um seine Menschen und ist in uns wirkungsvoll. Doch er ist nicht der Marionettenspieler, der uns als willenlose Geschöpfe am Faden hat und uns steuert, indem er daran zieht.

Denken Sie an das kriegszerstörte Holzkreuz, bei dem dem Christus Arme und Beine fehlten. Es hängt heute meines Wissens in einer Münsteraner Kirche und ist versehen mit dem Satz „Ich habe keine Hände, nur eure Hände, um meine Arbeit heute zu tun.“

Auch das Lied vom „Schiff, das sich Gemeinde nennt“ bedenkt den Zusammenhang zwischen Gottes Handeln und unserem Handeln sehr schön. In der 3. Strophe heißt es:

Im Schiff, das sich Gemeinde nennt, muss eine Mannschaft sein,
sonst ist man auf der weiten Fahrt verloren und allein.
Ein jeder stehe, wo er steht, und tue seine Pflicht;
wenn er sein Teil nicht treu erfüllt, gelingt das Ganze nicht.
Und was die Mannschaft auf dem Schiff ganz fest zusammenschweißt
in Glaube, Hoffnung, Zuversicht, ist Gottes guter Geist
.

„Heute wollen die Menschen alles – und das auch noch sofort!“ Das ist nicht falsch be -obachtet, denke ich. Diese Einstellung nervt uns meistens ja an anderen und weniger an uns selbst. Gott hat diesen Anspruch allerdings auch, er will alles neu machen!

Und er hat guten Grund zu dieser Haltung! Wenn wir am Erntedanktag singen:

Alle gute Gaben / alles was wir haben,
kommt o Gott, von dir / Dank sei dir dafür

dann erkennen wir doch an, dass wir Menschen uns letztlich – mit allem, was wir sind und haben - Gott verdanken.  

Ich kann freilich nicht sagen, ob es besser werden wird wenn es anders wird; aber so viel kann ich sagen, es muss anders werden, wenn es gut werden soll. So der Naturforscher, Mathematiker und Schriftsteller Georg Christoph Lichtenberg (1742 - 1799). Der Veränderungsdruck ist also keine Erfindung der Neuzeit.

Was meint Gott, wenn er „alles neu machen“ will?

Gott sieht Veränderungsdruck offensichtlich, die Erzählung von der Arche Noah z.B. zeigt es. Wobei diese Erzählung ja im Grunde „innerhalb“ unserer Welt denkt. Im 1.Mose 8,22 lesen wir: Solange die Erde steht, soll nicht aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht. Es wird eben nicht alles neu.

Unser Losungstext „Gott spricht: Siehe, ich mache alles neu!“ stammt ja aus der Offenbarung Johannes (21,5). Im 1. Vers schreibt der „Seher“ Johannes: Und ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde; denn der erste Himmel und die erste Erde sind vergangen, und das Meer ist nicht mehr.

Johannes sieht ein Ende dieser Welt und danach etwas ganz Anderes, Neues:                        Gott selbst wird als ihr Gott bei ihnen sein.4Er wird jede Träne abwischen von ihren Augen. Es wird keinen Tod und keine Trauer mehr geben, kein Klagegeschrei und keinen Schmerz. Denn was früher war, ist vergangen.«

Wir kennen diese Lesung aus der Beerdigungsliturgie.

Also wird es wirklich neu erst am Ende der Welt und – für uns – nachdem wir gestorben sind? Alles neu, das gibt es erst am St. Nimmerleinstag, in einer neuen, anderen Welt – und hier bleibt alles beim Alten?

Wahlweise oder schicksalhaft quälen wir uns entweder durch das irdische Jammertal oder lehnen uns bequem zurück, legen die Hände in den Schoß und warten ab?

Ganz so einfach – oder schwer … - macht Gott es uns nicht. Lukas erzählt von einer Begegnung der frommen Pharisäer mit Jesus (Lk 17, 20f):

20Die Pharisäer fragten Jesus: »Wann kommt das Reich Gottes?«

Jesus antwortete: »Das Reich Gottes kommt nicht so, dass man es an äußeren Anzeichen erkennen kann. 21Man wird auch nicht sagen: ›Schau her, hier ist es!‹, oder: ›Dort ist es!‹ Nein, das Reich Gottes ist schon da – mitten unter euch.«

Christen leben in der aufregenden und anregenden Spannung eines „schon jetzt“ und „noch nicht“! Schon jetzt ist diese ganz neue Welt Gottes punktuell, beispielhaft erfahrbar – aber ist eben noch nicht vollständig entfaltet. Wir sind aufgerufen, Botschafter dieser neuen Welt zu sein – sie zu sehen, sie zu verkünden und in ihrem Sinne zu handeln.

Und wie ist das nun mit dem Neuen?

Das Gleichnis vom Senfkorn, erzählt von Jesus (in Matthäus 13, 31-32 und Markus 4, 30-32), beschreibt das Reich Gottes als etwas, das winzig klein beginnt, ähnlich einem Senfkorn, der kleinste aller Samen, aber über die Zeit zu einer großen Pflanze oder einem Baum heranwächst, in dessen Zweigen Vögel nisten können. Es verdeutlicht, wie das zunächst unscheinbare Reich Gottes wächst und Schutz und Heimat bietet, obwohl es oft im Verborgenen beginnt. 

Der unscheinbare Anfang kann in der Wiederherstellung eines beschädigten Zustands liegen (heilen, reparieren), kann in einer Verbesserung eines an sich zufriedenstellenden Zustands liegen (weiterentwickeln) oder eben etwas völlig Neues sein (entdecken) – jedenfalls kein einfaches „Weiter-so“ oder gar ein Zurück, wenn es nicht im Sinne der Botschaft vom Reich Gottes ist.

"Oma sagt immer: ‘Wenn es ein Löwenzahn durch den Asphalt schafft, dann wirst du ganz sicher auch deinen Weg finden. 

„Unter dem Pflaster liegt der Strand“ ist ein Spruch, der insbesondere in der Sponti-Szene der 1970er Jahre geläufig war. Oder wie Udo Lindenberg seinerzeit gesungen hat: Hinterm Horizont geht's weiter …

Gebet:

Seit Menschengedenken ist dein Wort, Gott,

eine sprudelnde Quelle des Trostes, der Hoffnung und der Freude.

Hilf uns sie zu sehen und daraus zu schöpfen,

auf dass wir immer wieder neue Zuversicht

und erfrischende Kraft für die Bewältigung unseres Lebens gewinnen.

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St. Johannis Königsdahlum