Freitags 5nach6 - Wunderbar gemacht_Fühlen

07. September 2026

482 5nach6 11.09.2026 Wunderbar gemacht_Fühlen                         Ps 139

Quellen: (1) M.Rüscher, Schutzhülle und Sinnesorgan – unsere Haut, das Multitalent, in: Ev. Zeitung 09.08.26, S.5
(2) Dies., Der Tastsinn ist immer aktiv, a.a.O., S.4
(3) Dies., Die Welt ertasten, a.a.0., S.4
(4) T.Baier, Mehr als nur Körperliches – Fühlen in der Bibel, a.a.O., S.5      – alle Zitate kursiv –

Auf meinem Lieblingskuli steht das Psalmwort „Du bist wunderbar gemacht“ (Ps 139, 14), wir haben es gerade gebetet. Im Regelfall nehmen wir unsere wunderbare Verfasstheit, unsere Lebens-Konstruktion unbewusst hin und halten sie für selbstverständlich. Erst, wenn etwas nicht stimmt, nicht funktioniert, dann werden wir unruhig und merken, dass unser „Wunderwerk Körper“ eben keine Selbstverständlichkeit ist.

Martin Luther hat das in seiner Erklärung zum 1. Hauptstück des Glaubensbekenntnisses sehr schön verdeutlicht:

Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde.
Was ist das?

Ich glaube, dass mich Gott geschaffen hat samt allen Kreaturen, mir Leib und Seele, Augen, Ohren und alle Glieder, Vernunft und alle Sinne gegeben hat und noch erhält; dazu Kleider und Schuh, Essen und Trinken, Haus und Hof, Weib und Kind, Acker, Vieh und alle Güter; mit allem, was not tut für Leib und Leben, mich reichlich und täglich versorgt, …

Und weil wir gerade den Diakonie-Gottesdienst gefeiert haben, bei dem es um einfühlen, mitfühlen ging, heute vielleicht einige Gedanken zum Fühlen und Tasten.

Etwas geht unter die Haut. Jemand hat ein dickes Fell. Man fühlt sich wohl in seiner Haut. Es gibt viele Sprüche und Redewendungen rund um die Haut. Das zeigt: Sie ist weit mehr als nur eine Hülle. Sie ist eng mit unserem Selbstbild unseren Gefühlen und unserer Gesundheit verbunden.

Und was tun wir nicht alles, um durch Kosmetika, Piercing, Tattoos und anderes „Zubehör“ unsere Haut zu „gestalten“. Damit wollen wir unser Bild von uns selbst verändern, vor allem aber wollen wir bei anderen „Eindruck schinden“ und Wirkung erzielen.

Aber - unsere Haut umgibt uns, schützt uns und begleitet uns ein Leben lang – wir können – wie es so schön heißt – „nicht aus unserer Haut“. (1) Auch wenn wir manchmal aus ihr herausfahren möchten!

Händeschütteln, auf die Schulter klopfen, … ganz zu schweigen von Umarmungen: Viele unserer Verhaltensweisen beinhalten Berührungen. … Und das geht noch tiefer, sozusagen „unter die Haut“: Scham und andere Gefühle ziehen Erröten nach sich, Angst, Schreck oder Schock lassen uns erblassen, erkalten bis zur Gefühllosigkeit. Meine Hautärztin sagte neulich, dass der Zustand der Haut Rückschlüsse auf innere Erkrankungen zulässt, dabei ist die fiebernde, verschwitzte und rote Haut nur ein Beispiel.

Berührungen können die Schlafqualität verbessern, bei den Symptomen von Depressionen helfen, Angstsymptome lindern und sogar deutlich dabei helfen, Schmerz zu lindern. … Allerdings sind Berührungen nur dann hilfreich, wenn man auch berührt werden möchte. (2) Wenn eine Konfirmandin durch Handauflegen gesegnet werden soll, wenn da-durch die sorgsam gegelte Frisur des Konfirmanden verrutscht, kann es sein, dass er das Gefühl hat, dass ihm zu sehr auf die Pelle gerückt wird.

Schwierig wird es immer dann, wenn man Berührungen möchte oder braucht, aber keine bekommt. Es ist schon erstaunlich, dass Segnungsgottesdienste oder einfach nur ein Segen „auf der Straße“ sich eines beachtlichen Zuspruchs erfreuen. Erleben wir zu wenig heilsame Berührungen?

Das Fehlen von Berührungen spielt gerade in der Entwicklung von Menschen eine wichtige Rolle. Bei Neugeborenen … sind die Auswirkungen von Berührungen extrem positiv. … Das hat damit zu tun, dass der Tastsinn der erste Sinn ist, der bei der Geburt voll ausgeprägt ist. … Tastend und fühlend entdecken wir die Welt. (2)

Durch das Tasten untersuchen wir die Beschaffenheit von Materialien und ziehen daraus Schlüsse. 

Übungen (Bank, Stoff, Gesicht, Hand betasten, Münze, TRANSPORTSPIEL)

Die Haut ist das größte Organ … Sensoren in der Haut helfen uns, die Umwelt durch Tasten wahrzunehmen: Jeden Druck, jede Berührung oder auch Temperaturschwankungen fühlen wir mit Hilfe der Haut, wie die sog. Gänsehaut zeigt … Im Grund kann der Mensch nicht nicht fühlen. Der Tastsinn ist dauernd im Einsatz. (3)

Berührungen können zwiespältig sein: Sie können beruhigen oder aufschrecken, verletzen oder heilen, quälen oder trösten …

Vom lebensmüden Propheten Elia wird berichtet, dass ihn ein Engel anrührt und ihm neuen Lebensmut schenkt (Kön 19) Und das tiefe Elend, in das Hiob geraten ist, wird deutlich in der Szene, als der Satan ihn mit schwerem Hautausschlag schlägt und auch seine Frau ihn nicht mehr berührt (Hiob 2).

Hautkrankheiten, für jeden sichtbar, führten bis weit in die Neuzeit zur Ausgrenzung aus der Gemeinschaft. Die erzwungene Einsamkeit war dabei oft mindestens ebenso schwer zu ertragen wie die Krankheit. Im NT wird darum herausgestellt, dass Jesus zunächst die Einsamkeit und dann die Krankheit, zunächst die Seele und dann dadurch dann auch den Körper heilt.

Obwohl für einen Rabbi, einen geistlichen Lehrer eigentlich durch die damals geltenden Reinheitsvorschriften verboten, berührt er gleich im ersten Markus-Kapitel einen Aussätzigen. Mit dieser körperlichen und seelischen Nähe durchbricht er dessen Ausgrenzung und heilt ihn. Danach ergreift Jesus ebenso die Hand der fiebernden Schwiegermutter des Petrus, legt einem Blinden die Hände auf (Mk 8) und segnet so auch die Kinder, die seine Jünger wegschicken wollen (Mk 10). „Du bist von Gott angenommen und damit bist du nicht allein“ - das ist die Botschaft seiner Berührungen. (4)

    Gebet: (bearb. Quelle „Gebet zur Kontrolle und Bewältigung von Emotionen | Religiöse Artikel aus Lourdes)“

Ich bitte Dich, Gott,
hilf mir, meine Gedanken zu kontrollieren,
meine Gefühle zu befrieden,
und Qualen, die mein Herz bewegen, zu besänftigen.

 

Du kennst die Tiefen meiner Seele,
Kämpfe, die ich durchmache, Ängste, die mich bedrängen,
Wut, die mich überfällt,
und Traurigkeit, die meinen Geist beschwert.
Vor Dir gebe ich mich hin und lege all das zu Deinen Füßen,
in der Hoffnung, Deinen Frieden zu empfangen.

 

Gib mir die Weisheit
um zu unterscheiden, welche Gefühle mir dienen und welche mich zerstören,
um zu verstehen, was in meinen Gedanken Verwirrung stiftet,
und um zu lernen, mit Liebe und Mäßigung auf Situationen zu reagieren,
die mich erschüttern.

 

Wenn Wut von mir Besitz ergreift,
lehre mich, sie in Vergebung zu verwandeln,
zeige mir den Weg der Ruhe und des Dialogs,
statt den Weg der Impulsivität und verletzender Worte.

 

Wenn die Angst mein Herz umklammert,
Lerne mich, dir zu vertrauen,

 

und erinnere mich daran, dass alles in Deinen Händen liegt,
dass ich mit meinen Ängsten nie allein bin.

 

Wenn Traurigkeit mich überwältigt,
erinnere mich an Dein Versprechen des Trostes,

 

lasse das Licht Deiner Liebe in mir leuchten,
und erlaube mir, im Gebet eine sichere Zuflucht zu finden,
einen Ort, an dem mein Herz heilen und sich regenerieren kann.

 

Wenn die Freude mich verlässt und ich mich leer fühle,
fülle mich mit Deinem Heiligen Geist,
dass ich die Kraft und Klarheit wiederfinde, die ich brauche, um voranzukommen,
dass ich auch in der Not Grund zur Hoffnung finden kann.

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St. Johannis Königsdahlum