Freitags 5nach6 - Hoffnung 2

10. Februar 2026

458 5nach6_13.02.26_Hoffnung 2                 Ps 57

Quellen: (1) A.v.Legat, Gerettet auf Hoffnung, in: Ev. Zeitung, 04.01.2026, S.4f
(2) Stichwort Hoffnung, ebd.
(3) K.Ilgenfritz, Die Hoffnung ist ein Lebensmotor, ebd.(Zitate Kursiv)

Hoff endlich! Mit dieser eigenwilligen Schreibweise von hoffentlich habe ich im Januar 5nach6 beendet. „Gar nicht so einfach mit der Hoffnung, wenn ich mich umschaue!“!. werden viele sagen.

Ja. Da geht es Ihnen wie Tobias. Ich war sein Klassenlehrer und sein Deutschlehrer. Deutsch war nicht sein Ding. Als ich ihm wieder eine Klassenarbeit mit einer Fünf zurückgeben musste, versuchte ich ihn zu trösten, indem ich sagte: „Die nächste Arbeit kommt bestimmt – und die Hoffnung stirbt zuletzt!“ Er schaute mich mit traurigen Augen an und erwiderte: „Ja, aber sie stirbt auch, Herr Gräbig.“

Was die Verbesserung einer Deutschnote anbelangt, mag das zutreffen. Und für viele andere „kleine“ Hoffnungen auch.

Aber für uns Christen muss die Hoffnung grundsätzlich nicht sterben, auch nicht zuletzt, weil wir seit Ostern eine Hoffnung haben, die über das Zuletzt, über den Tod hinausreicht.

Ein wunderbares Lied von dieser Hoffnung singt der Apostel Paulus im 8. Kapitel des Römerbriefes. Er sieht den Zustand der Welt realistisch: Unerlöst ist die Schöpfung.  ‚Wir aber sind gerettet auf Hoffnung hin … Paulus betont, dass Hoffnung immer auf das ausgerichtet ist, was man noch nicht sieht … Und dann findet er Worte für seine unbedingte Zuversicht: ‚Ich bin gewiss, dass weder Tod noch Leben, weder … Mächte noch Gewalten … uns trennen können von der Liebe Gottes.‘ (1)

Und aus dieser großen Hoffnung kann kleine Hoffnung für den Alltag werden.

Hoffnung meint dann ein Vertrauen auf die Zukunft. Es handelt sich dabei um eine zuversichtliche … innerliche Ausrichtung. Sie ist mit der Erwartung verbunden, dass etwas Wünschenswertes eintreten wird, ohne dass eine Gewissheit besteht, dass es so kommt …

Hoffnung kann somit als positive Einstellung … beschrieben werden, die Menschen dabei hilft, in schwierigen Zeiten … weiterzumachen und nicht aufzugeben. Hoffnung wird so zu einem Motor des Menschen.

Hoffnung kann aber auch begleitet sein von der Angst und der Sorge, dass das Erwünschte nicht eintritt. Sie ist also kein einfaches „Wird schon!“ Hoffnung kann auch enttäuscht werden. Wenn Hoffnung dann in Resignation, Aufgabe oder gar Verzweiflung umschlägt, muss man vielleicht eine neue, andere Hoffnung finden. (2)

Dabei ist Hoffnung kein passives Warten auf etwas, sondern handeln, Verantwortung übernehmen und aus dem Vertrauen auf Gott Kraft schöpfen.

Eine Klinikseelsorgerin schreibt: ‚Ich erlebe, dass Menschen Hoffnungen aufgeben oder neu anpassen müssen. In diesen Momenten hilft der Glaube, das Vertrauen darauf, dass es gut werden kann – auch wenn der Weg anders verläuft als ursprünglich gedacht ...

Sie fährt fort: Wenn jemand hofft, dass es besser wird, verhält er sich auch entsprechend, nimmt an Therapien teil und arbeitet an sich.‘ Zahlreiche Studien … belegen, dass Hoffnung das Immunsystem stärkt, die Selbstheilungskräfte mobilisiert und die Genesung fördert. (3)

Ein berühmtes Beispiel für die Kraft der Hoffnung ist die Antarktis-Expedition des britischen Polarforschers Ernest Shackleton. Anfang des 20 Jhdts. strandete er mit seiner Mannschaft nach dem Untergang seines Schiffes auf einer Eisscholle. Die Männer leben monatelang auf Eisschollen und später auf einer abgelegenen Insel im Südatlantik … ohne Funkverbindung,  … ausgeliefert der Kälte und dem Sturm.

Shackleton entscheidet sich, mit einer kleinen Gruppe in einem offenen Boot über das stürmische Meer aufzubrechen, um Hilfe zu holen. Der größte Teil der Mannschaft bleibt zurück, unter härtesten Bedingungen, in Unsicherheit und Angst. Sie könnten verzweifeln, sich zerstreiten, die Ordnung aufgeben. Stattdessen halten sie zusammen, organisieren ihren Alltag, teilen Vorräte ein, halten Wache und versuchen, körperlich und seelisch durchzuhalten.

Am Ende gelingt das, was kaum jemand für möglich gehalten hätte: Shackleton erreicht Hilfe und kehrt nach langer Zeit zu seinen Männern zurück. Keiner aus seiner Mannschaft kam ums Leben.

Diese Geschichte wird bis heute als Beispiel dafür erzählt, was Hoffnung bedeuten kann: nicht Schönfärberei oder Verdrängung, sondern ein hartnäckiges Vertrauen darauf, dass sich ein Weg finden lässt – verbunden mit dem Entschluss, alles dafür zu tun. Hoffnung heißt dann, den Kopf oben zu behalten, auch wenn rundherum alles nach Untergang aussieht.

Hier bietet es sich an, noch einmal eines meiner Lieblingslieder zu zitieren:

 

Ein Schiff, das sich Gemeinde nennt,
fährt durch das Meer der Zeit.
Das Ziel, das ihm die Richtung weist,
heißt Gottes Ewigkeit.
Das Schiff, es fährt von Sturm bedroht
durch Angst, Not und Gefahr,
Verzweiflung, Hoffnung, Kampf und Sieg,
so fährt es Jahr um Jahr.
Und immer wieder fragt man sich:
Wird denn das Schiff bestehn?
Erreicht es wohl das große Ziel?
Wird es nicht untergehn?

Im Schiff, das sich Gemeinde nennt,
muss eine Mannschaft sein,
sonst ist man auf der weiten Fahrt
verloren und allein.
Ein jeder stehe, wo er steht,
und tue seine Pflicht;
wenn er sein Teil nicht treu erfüllt,
gelingt das Ganze nicht.
Und was die Mannschaft auf dem Schiff
ganz fest zusammenschweißt
in Glaube, Hoffnung, Zuversicht,
ist Gottes guter Geist.

 

Bleibe bei uns, Herr!
Bleibe bei uns Herr,
denn sonst sind wir allein
auf der Fahrt durch das Meer.
O bleibe bei uns, Herr!

Nicht ohne Grund nennt Paulus die Hoffnung an herausragender Stelle: im Hohen Lied der Liebe im 1. Korintherbrief heißt es: „Für jetzt bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; doch am größten unter ihnen ist die Liebe.“ (1 Kor 13,13 EU). Hoffnung sind die Einstellung, die dem Glauben entspringt, und Liebe steht für die Taten, die aus dem Glauben erwachsen.

Gebet (nach „Liebe ist nicht nur ein Wort“)

Hoffnung ist nicht nur ein Wort,
Hoffnung, das sind Worte und Taten.
Als Zeichen der Hoffnung ist Jesus lebendig,
als Zeichen der Hoffnung für diese Welt.

Gott,

gib uns die Klugheit für die rechten Worte

und die Kraft für die rechten Taten.

 

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