Freitags 5nach6 - nach OSTERN 2

17. April 2026

465 5nach6_17.04.26_Nach Ostern 2                      Ps  118

Am letzten Freitag war in der Hildesheimer Allgemeinen Zeitung zu lesen „Erdbeben in Sarstedt!“ – also gar nicht allzu weit entfernt von uns … Dann ging mir durch den Kopf, dass auch der Untergrund bei uns in Königsdahlum – ich dachte an den Dillsgraben und die Kalischächte – einmal in Bewegung geraten könnte.

Und weil ich gedanklich immer noch bei Ostern war, überlegte ich Folgendes: Was wäre, wenn durch ein Erdbeben Gräber auf unserem Friedhof plötzlich offenlägen und wir Überreste von Verstorbenen sehen könnten.

Keine leeren Gräber?! Keine Auferstehung?! Wäre unser Glaube dann hinfällig und es würden noch viel mehr Menschen aus der Kirche austreten?

War das Grab Jesu leer? Theologen/innen aller Jahrhunderte nach Christi haben darüber nahgedacht und schon die Evangelien berichten von Verschwörungstheorien, wonach z.B. die Jünger Jesu Leichnam gestohlen hätten, um das „Märchen von seiner Auferstehung“ in die Welt zu setzen (Mt 28, 11–15).

Ich möchte zunächst zwei Begriffe voneinander unterscheiden. Auferstehung klingt für mich so, als ob ein Toter von sich aus wieder aufsteht. Auferweckung dagegen sieht ein Handeln Gottes an einem Toten, das den Toten aus dem Tod herausholt. Das scheint mir zutreffender.

War das Grab Jesu leer? Ich kann diese Frage nicht beantworten. Warum nicht?

Diese Frage ist der Versuch, göttlichem Handeln mit den Mitteln geradezu wissenschaftlicher Erfahrbarkeit und Nachprüfbarkeit auf die Spur zu kommen. Ich finde, diese Umgehensweise mit Glauben stößt irgendwann an Grenzen – Gott bleibt letztendlich unverfügbar. Deswegen spielt für mich die Frage nach dem leeren Grab keine Rolle.

Mit dem Glauben ist es wie mit der Liebe.

Die Psychologie der Liebe beschreibt Liebe als ein Zusammenspiel aus Gefühlen wie Leidenschaft und Freude, einer Einstellung, die den / die andere/n gleichsam in den Himmel hebt und vergöttert und einer Entscheidung, sich an den anderen zu binden und für Ihn oder sie zu sorgen. Sie dient der persönlichen Weiterentwicklung, bietet Geborgenheit und basiert auf Intimität, Leidenschaft und Bindung.

Bei Liebe und Verliebtheit schüttet der Körper einen intensiven Cocktail aus Hormonen und Botenstoffen aus. Dopamin sorgt für Euphorie und Belohnung, während Oxytocin (das sog. „Kuschelhormon“) Bindung und Vertrauen fördert. Adrenalin und Noradrenalin verursachen Herzklopfen und das typische Bauchkribbeln. Serotonin und Endorphine wirken entspannend und stimmungsaufhellend. (nach: Google)

Ich weiß nicht, was passiert wäre, wenn ich meiner Frau seinerzeit gesagt hätte: Dein Anblick und deine Anwesenheit lösen bei mir einen Hormonschock aus.

Man kann auch mit einem falschen Ansatz an Dinge herangehen. Noch ein geradezu tragisches Beispiel aus der Welt der Liebe.

 Romanze          Musik, Text & Arrangement: Daniel „Dän“ Dickopf, Leadgesang: Clemens (wise guys)

Sie trafen sich am Strand
kurz vor dem Sonnenuntergang
und lächelten und waren leicht verlegen.
Alles war so neu, sie kannten sich noch nicht sehr lang.

 

Er streckte ihr ’nen Rosenstrauß entgegen.
Sie sagte: „Rosen wecken so romantische Gefühle.“
Da nickte er und sprach: „Ja, zweifelsohne!
Da reichen in der Nase ein paar tausend Moleküle
der Duftstoffe mit Namen ’Pheromone’.“

 

Und sie saßen eine ganze Weile schweigend beieinander
und blickten auf das weite Meer hinaus,
und blickten auf das weite Meer hinaus.


Da flüsterte sie: „Schau! Der Mond ist heute riesengroß!
Die Nacht ist viel zu schön, um jetzt zu enden.
Es ist hier so romantisch, ich bin schon ganz atemlos!“

und sie fasste ihn ganz sanft an beiden Händen.

 

Er sagte: „Du, der Durchmesser des Monds am Firmament
ist konstant einunddreißig Bogenminuten,
also ungefähr ein halbes Grad, das ist ganz evident.
Es wär’ falsch, für heut’ ne and’re Größe zu vermuten.“

 

Und sie saßen eine ganze Weile schweigend beieinander
und blickten auf das weite Meer hinaus,
und blickten auf das weite Meer hinaus.


So saßen sie am Meer in dieser warmen Sommernacht.

 

Sie griff nach seiner Hand und seufzte leise:
„Wie wundervoll die Sterne funkeln – es ist eine Pracht!“
und sie schmiegte sich an ihn auf sanfte Weise.

 

Er sah sie an und sagte nur: „Die Sterne funkeln nicht.
Das wäre ja verrückt, wenn das so wäre!
Es sieht vielleicht so aus, doch es bricht sich nur das Licht
in den Schichten oben in der Atmosphäre.“

 

Und sie saßen eine ganze Weile schweigend beieinander
und blickten auf das weite Meer hinaus.
Und dann ging sie ohne ihn nach Haus’.

Man kann an dasselbe auf unterschiedliche Weise herangehen und es unterschiedlich betrachten – und jede Herangehensweise und Sichtweise hat ihre eigene Wahrheit! Damit will ich nicht irgendwelchen Fake News oder alternativen Wahrheiten das Wort reden!

Zurück zur Auferweckung. Kann es sein, dass ich mit der Frage nach dem leeren Grab dem christlichen Glaubenssatz „Ich glaube an die Auferstehung der Toten und das ewige Leben“ unangemessen begegne, ihm nicht gerecht werde?

Gottes Handeln bleibt unergründlich, unverfügbar und unfassbar. Wie die Liebe auch. Was wohl kein Zufall ist, denn Gott ist die Liebe  (1. Johannesbrief 4,16).

Natürlich ist die Frage nach der Auferweckung so alt wie das Christentum – mindestens. Kein Wunder, dass sich der „Cheftheologe“ der frühen Christenheit – Paulus – auch dazu äußert. Im 1. Brief an die Christen in der griechischen Stadt Korinth schreibt er (1Kor 15,35-55 i.A.):

5Jetzt könnte man natürlich fragen: »Wie werden die Toten auferweckt? Mit was für einem Körper werden sie wiederkommen?«

36Was für eine dumme Frage! Was du säst, muss sterben. Erst dann kann es wieder lebendig werden.

37Und was du säst, ist ja nicht die ausgewachsene Pflanze. Du säst nur ein nacktes Samenkorn, zum Beispiel vom Weizen … 38Aber Gott gibt ihm die Gestalt, die er vorgesehen hat. …

42So ist es auch mit der Auferstehung der Toten: Was hier auf der Erde gesät wird, ist vergänglich. Aber was auferweckt wird, ist unvergänglich! … Was hier gesät wird, ist schwach. Aber was auferweckt wird, ist voller Kraft.

44Gesät wird ein natürlicher Leib. Auferweckt wird aber ein Leib, der vom Geist Gottes geschaffen ist. …

50Eins muss ich euch aber sagen, Brüder und Schwestern: Menschen aus Fleisch und Blut können das Reich Gottes nicht erben. Was vergänglich ist, kann nicht unsterblich werden. … Wir werden nicht alle sterben, wir werden aber alle verwandelt werden. 53Denn was vergänglich ist, muss sich in Unvergänglichkeit kleiden. Und was sterblich ist, muss sich in Unsterblichkeit kleiden.

Die Auferweckung der Toten bedeutet also keine Neuschöpfung aus dem Nichts, sondern eine Verwandlung des Bestehenden: "Denn dies Vergängliche muss anziehen die Unvergänglichkeit"

Vielleicht kamen Paulus diese Gedanken beim betrachten eines Schmetterlings. Heute wissen wir:  Die Verwandlung von der Raupe zum Schmetterling ist eine vollständige sog. Metamorphose in vier Schritten: Ei, Larve (= Raupe), Puppe und Falter. Nach intensiver Nahrungsaufnahme verpuppt sich die Raupe, wobei sie sich in einen Kokon einspinnt oder eine feste Puppenhülle bildet. Im Inneren verwandelt sich der Körper komplett, bis nach 1–2 Wochen der Schmetterling schlüpft.

Und dennoch. Die Auferweckung der Toten durch Gott und das Danach bleiben ein Geheimnis, wissenschaftlicher Erforschung unzugänglich.

Uns bleibt die Glaubenshoffnung aus Ps 23 „Und ich werde bleiben im Hause des Herrn – immerdar.“ Und ich gehe in diesem Verwandlungsprozess, den Paulus beschreibt, nicht verloren. Es gilt die Zusage Gottes, die der Prophet Jesaja so formuliert: Fürchte dich nicht, denn ich habe dich befreit. Ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du gehörst zu mir (Jes 43,1).

Letztlich bleiben wir aber in der Rolle jener beiden Mönche:

Zwei Mönche teilen sich eine Zelle im Kloster. Sie sprechen viel über das, was nach dem Tod sein wird. Manchmal stellen sie sich die Ewigkeit sehr konkret vor. In allen Einzelheiten. Ein andermal zweifeln sie wieder. Dann haben sie eine Idee: Derjenige, der zuerst stirbt, soll dem anderen im Traum erscheinen und nur eins von zwei lateinischen Wörtern sagen. „Taliter“ - Das heißt: Es ist so. Oder: „Aliter“ - Das heißt: es ist anders.

Bald stirbt einer der Mönche und in der folgenden Nacht erscheint er seinem Freund. „Und?“ fragt dieser. „Taliter?“. Der Verstorbene schüttelt den Kopf. „Aliter? Anders?“ Wieder ein Kopfschütteln. Und mit einem leichten Lächeln flüstert er: „Totaliter aliter - Es ist völlig anders.“

Gebet:

Gott,

wir wissen, dass auch wir sterben müssen,
aber wir verdrängen die Gedanken an den Tod.
Du zeigst uns einen Ausweg aus dem Dunkel unserer Fragen,
denn Du hast Jesus von den Toten auferweckt.
Deswegen glauben wir,
dass das Leben stärker ist als der Tod.
Wir glauben fest,
dass uns nichts von Deiner Liebe trennen kann,
ja nicht einmal der Tod
und darum bitten wir Dich: nimm unsere Verstorbenen zu Dir in Deine Geborgenheit
und schenke ihnen die Vollendung ihres Lebens in deiner Ewigkeit.

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St. Johannis Königsdahlum