466 5nach6_24.04.26_Osterkerze
|
|
So sieht sie aus – unsere neue Osterkerze! Ausgewählt wie immer von einer Gruppe aus der Gemeinde, diesmal waren es wir Kirchenvorsteher/innen aus Königsdahlum. Bis Ostern nächsten Jahres wird sie unsere Gottesdienste erhellen - und das nicht nur optisch.
Sie zeigt uns im übertragenen Sinn den Weg – als einzelnen wie als Gemeinde. Die Osterkerze wird auch Christuskerze genannt, weil zu Ostern aus dem gekreuzigten Jesus von Nazareth der auferweckte Christus wird. Und damit ist auch klar, woher und wohin dieses Licht leuchtet: |
Von der Botschaft dieses Jesus von der Liebe Gottes dorthin, wo man das Ende aller Liebe denken könnte, bis hin zum Tod. Nur – dieses Licht leuchtet über den Tod hinaus, weil die Liebe Gottes den Tod besiegt!
Schon vom Turmraum aus fiel mir auf – diese Kerze ist ja richtig bunt! Als ich mich der Kerze näherte, erkannte ich, dass sie vorwiegend mit gespreizten, offenen Händen verziert ist. Dazu kommt nur noch die Jahreszahl 2026.
Ich habe mich sehr gefreut, als ich diese Kerze sah, denn ich wusste vorher nicht, welche Kerze im Ostergottesdienst vorne leuchten wurde. Die Wählergruppe wählt nämlich geheim und unsere Vorsitzende bestellt die meistgewählte Kerze. Unsere Küsterin packt sie erst Karsamstag aus – die Osterkerze ist immer eine Überraschung!
Ich möchte Ihnen meine ganz persönlichen Gedanken zu dieser Kerze mitteilen, was nicht heißt, dass Sie sie nicht anders interpretieren können.
Zunächst habe ich mich gefreut, dass es Hände sind. Hände stehen für ein Tun. Das finde ich für eine Kirche, die man getrost als eine Kirche des Wortes bezeichnen kann, sehr wichtig.
Und diese Hände sind offen! In unsere kriegerische Zeit würden leider auch geballte Fäuste oder waffentragende Hände nur allzu gut passen. Und diese offenen Hände haben auch nicht gierig etwas gerafft, sie sind leer.
Aber es kommt noch besser: Diese Hände sind im Kreis angeordnet, sie verbinden sich. Ein Sinnbild für das, was Kirche, was Gemeinde sein sollte – ein Bündnis untereinander und mit Gott.
Doch warum sind diese Hände bunt? Keine Farbe kommt zweimal vor, selbst die Rottöne heben sich in Nuancen voneinander ab. In der Gemeinde, in der Kirche ist Buntheit im Sinne von Vielfalt möglich!
„Einheit in versöhnter Verschiedenheit“ ist ein zentraler ökumenischer Gedanke. Mit allen Unterschieden bleibt man als Gemeinschaft verbunden. Diese Einheit ist ein Geschenk Gottes, keine simple Gleichmacherei. Unterschiede werden „versöhnt“, das heißt, sie führen nicht mehr zur Trennung. (Mit Hilfe von KI)
Gott will Vielfalt – wie vielfältig ist allein diese Andachtsgemeinde heute! Von der Konfirmandin/dem Konfirmanden bis hin zum Senior/zur Seniorin. Und Alter und Lebenserfahrungen sind beileibe nicht die einzigen Unterschiede zwischen uns. Sehen wir weiter: Wie vielfältig ist allein schon unsere KG Bockenem-Königsdahlum!
Und dann die gottgewollte Vielfalt unserer Schöpfung! „Und siehe, es war sehr gut!“ Dieses Urteil Gottes bezieht sich auch auf ihre Vielfalt! Gott bewahrt diese Vielfalt – schön zu sehen in der Erzählung von der Arche Noah. In den Farben des Regenbogens, mit dem Gott seinen Bund mit der Schöpfung besiegelt, spiegelt sich eben diese Vielfalt auch wider. Der Ursprung für die Regenbogenfahnen, die heute als Wertschätzung für Vielfalt bei Demonstrationen mitgeführt werden, liegt im Alten Testament!
Auch im Neuen Testament findet sich diese Wertschätzung von Vielfalt, z.B. in der Erzählung von Pfingsten, die wir demnächst wieder hören werden. In aller Unterschiedlichkeit finden Menschen unter dem Eindruck der Erzählungen von Jesus Christus, seiner Botschaft, seinem Kreuz und seiner Auferweckung zueinander!
Unter der Jahreszahl sind zwei Hände wie eine Schale geöffnet. Sollte oben eine Hand sich lösen, wird sie unten aufgefangen, sollte von der Jahreszahl etwas herabfallen, in diesem Jahr etwas kaputt gehen, wird es aufgefangen.
Für mich sind diese beiden Hände die Hände Gottes – wenn Gott denn Hände hat. Sie stehen für den Satz „Du kannst nie tiefer fallen als in Gottes Hand“. Er ist ein bekanntes Zitat aus einem geistlichen Lied von Arno Pötzsch (1941), zu finden im Evangelischen Gesangbuch (EG 533).
EG 533: Du kannst nicht tiefer fallen
1. Du kannst nicht tiefer fallen als nur in Gottes Hand,
die er zum Heil uns allen barmherzig ausgespannt.
2. Es münden alle Pfade durch Schicksal, Schuld und Tod
doch ein in Gottes Gnade trotz aller unsrer Not.
3. Wir sind von Gott umgeben auch hier in Raum und Zeit
und werden in ihm leben und sein in Ewigkeit.
Arno Pötzsch, 1941
Achten Sie auf die Jahreszahl! Das Lied wurde 1941 geschrieben inmitten von Naziterror und Not und Elend des 2. Weltkriegs!
Und diese beiden Hände sind grün, gehalten in der Farbe der Natur, des Lebens, der Hoffnung!
Natürlich darf ich auch nicht vergessen das Feuer, das Licht, das ich sehe, wenn die Kerze brennt!
Feuer? Da war doch etwas? Natürlich – Pfingsten! Gottes guter Geist kommt herab auf die Jünger. Und mit jeder Taufe, mit jedem Abendmahl, mit jedem Segen kommt er aufs Neue herab auf uns.
Bin ich ein Begeisterter, sind wir Begeisterte? Oder eher entgeistert … Bin ich entflammt, sind wir entflammt von Gott dafür, dass die Sache Jesu weitergeht? Zum Glück, zu unserem Glück wird das nicht gemessen – nicht in der Höhe der Flammen unserer Begeisterung und auch nicht in ihrer Temperatur.
Was zählt denn dann? Dieses Lied deutet eine Antwort an:
Gottes Liebe ist wie die Sonne, sie ist immer und überall da.
Gottes Liebe ist wie die Sonne, sie ist immer und überall da.
1) Streck dich ihr entgegen, nimm sie in dich auf.
3) Sie kann dich verändern, heute, wenn du willst.
4) Gib die Liebe weiter, an den, der sie nicht kennt!
5) Gib ihr deine Antwort, vertrau dich ihr ganz an.
Und unsere Kerze brennt!
Feuer erwärmt in der Kälte und den Frösten unserer Tage. Damit meine ich nicht die Angaben auf unseren Thermometern. Herzenskälte kann noch schlimmer sein als Frost!
Feuer auf einer Fackel macht es hell, orientiert, zeigt Wege, wo Dunkelheit und Orientierungslosigkeit herrschen verwandelt.
Ja, Feuer vernichtet auch. Es ist die Wandlungskraft schlechthin.
Wenn das Herz für jemanden entflammt ist, wenn man für jemanden oder etwas brennt, dann ist Liebe im Spiel. Im Lichte der Liebe Gottes dürfen wir uns auch heute, jetzt hier in St.Johannis sehen – und entflammen lassen. Wie unsere neue Osterkerze!
Gebet: Strahlen brechen viele aus einem Licht (EG 268)
1 Strahlen brechen viele aus einem Licht.
Unser Licht heißt Christus.
Strahlen brechen viele aus einem Licht –
und wir sind eins durch ihn.
3 Gaben gibt es viele, Liebe vereint.
Liebe schenkt uns Christus.
Gaben gibt es viele, Liebe vereint –
und wir sind eins durch ihn.
5 Glieder sind es viele, doch nur ein Leib.
Wir sind Glieder Christi.
Glieder sind es viele, doch nur ein Leib –
und wir sind eins durch ihn.
Gott, gib dass wir das erkennen und annehmen.