Freitags 5nach6 - 7 Wochen mit Gefühl_Sehnsucht

27. Februar 2026

460 5nach6_27.02.26_7 Wochen mit Gefühl_Sehnsucht             Ps  119

Quellen: (1) Evangelische Verlagsanstalt (Hg.), Frank Muchlinsky – Mit Gefühl, 7 Wochen ohne Härte, Fastenbrief 1, Leipzig, 18.02.2026 (Zitate kursiv)
(2) H.J.Abromeit, Mein Gott, gib mir ein hörendes Herz, in: R.Meister, Mit Gefühl, Leipzig, 2025,  S.18
(3) C.Lungershausen, Sieben Wochen ohne Härte, in: R.Meister, Mit Gefühl, Leipzig, 2025,  S.22-24

Stellen Sie sich Folgendes vor: Sie hören gleich eine Stimme, die Ihnen einen Wunsch freigibt, ja, genau wie die Fee im Märchen. Was wünschen Sie sich? 

Die evangelische Fastenaktion „7 Wochen Ohne“ schlägt in diesem Jahr vor, auf Härte zu verzichten und stattdessen „mit Gefühl“ vorzugehen. Wie immer kann man sich fragen, wie gut gelungen solch ein Vorschlag ist. Man könnte einwenden, dass wir in Zeiten leben, in denen wir vor allem Härte brauchen, weil diejenigen, die uns das Leben schwermachen, selbst mit großer Härte vorgehen. Sie zetteln Kriege an, sie lassen ihre Truppen auf Unschuldige im eigenen Land los, sie setzen Hunger und Kälte als Waffen ein, sie verdrehen die Wahrheit und haben vor nichts Respekt. Ich frage mich in diesen Tagen: Wie können wir den Harten widerstehen und gleichzeitig darauf verzichten, selbst hart zu sein?

Die erste Antwort habe ich im Bibeltext für diese Woche gefunden. Er stammt aus dem ersten Buch der Könige. Es geht um Salomo. Salomo ist der Sohn von König David und erst seit kurzem selbst König, als er träumt, dass ihm Gott erscheint und ihm einen Wunsch gewährt. Und Salomo wünscht sich - Weisheit!

Es lohnt sich, einmal genau hinzusehen, wie Salomo den Wunsch nach Weisheit in Worte fasst. Er sagt nicht einfach: „Mach, dass ich weise bin!“

Er bittet: 9Gib mir, deinem Knecht, ein hörendes Herz. Nur so kann ich dein Volk richten und zwischen Gut und Böse unterscheiden. Wie sonst könnte man Recht schaffen in deinem Volk, das doch so bedeutend ist?«

10Es gefiel dem Herrn gut, dass Salomo genau darum gebeten hatte. 11Gott sagte ihm: »Du hast weder um ein langes Leben gebeten noch um Reichtum oder den Tod deiner Feinde. Stattdessen hast du um Einsicht gebeten, um auf mich zu hören. Nur so kannst du gerechte Urteile fällen. 12Darum werde ich deine Bitte erfüllen: Hiermit gebe ich dir ein weises und verständiges Herz. So wie du ist niemand vor dir gewesen, und nach dir wird es keinen geben wie dich.

13Ich gebe dir sogar etwas, worum du nicht gebeten hast: Reichtum und Ehre. Kein anderer König wird sich mit dir vergleichen können, solange du lebst. 14Ich werde dir ein langes Leben schenken. Richte dein ganzes Leben nach mir aus. (1Kön 3, 9-14)“

 

 

Anstelle von Macht oder Reichtum oder Gesundheit wünscht Salomo sich also Weisheit. Er bekommt sie und Reichtum und Gesundheit noch dazu, weil er so gut gewählt hat. Seitdem ist er als „Salomo der Weise“ bekannt.

Sein Vater David hat so einen Zusatznamen nicht. … Sein letzter Wille, den er sterbend seinem Sohn Salomo mitteilte, war, dass Salomo mehrere Leute umbringen sollte; Menschen, die Salomo den Thron streitig hätten machen können. Salomo erfüllt den letzten Wunsch seines Vaters. Alle seine Konkurrenten sind tot, als Salomo diesen Traum hat, in dem er sich Weisheit wünscht. Ich denke, das hat miteinander zu tun.

Im Schlaf, als Salomos Geist sich unbeirrt entfalten kann, scheint ihm bewusst zu werden, dass er als König nicht viel taugen wird, wenn er den Weg seines Vaters weitergeht. Als Gott ihn im Traum anspricht, entgegnet Salomo: „Du selbst, Gott, hast mich zum König gemacht.“ Damit sagt er im Grunde genommen auch: „Nicht der Plan meines Vaters hat dafür gesorgt, dass ich König bin. Nicht die Morde an meinen Widersachern haben mich zum König gemacht.“

Salomo wird außerdem bewusst, dass er bislang nur das getan hat, was man von ihm erwartete. Er handelt bis dahin wie einer, der selbst „nicht ein noch aus weiß“. Salomos Bitte um Weisheit ist darum nicht zuletzt eine Bitte um Autonomie, Unabhängigkeit und Selbstständigkeit.

Er bittet darum, Gut und Böse unterscheiden zu können, damit er nicht auf andere hören muss, die ihm etwas eintrichtern wollen. Machterhalt durch Gewalt? Das wird nicht Salomos Weg sein. Und tatsächlich. Er verhandelt lieber, gleicht aus. Seine Weisheit wird legendär und macht ihn berühmt. Noch heute kennen wir die Redensart vom salomonischen Urteil, das sich eben durch Weisheit auszeichnet. .

Wie muss ich mir das vorstellen? Ist er aufgewacht und war sofort extrem weise? So wie Eva und Adam in der Paradies-Legende, die von einer Frucht aßen, die sie schlagartig mit Erkenntnis ausstattete? Oder war es vielleicht eher so, dass ihm lediglich schlagartig klar wurde, dass er es in Sachen Königtum anders machen wollte als sein Vater?

… Salomo lernte, sich in andere Menschen hineinzuversetzen, so dass er ihre Bedürfnisse ebenfalls berücksichtigen konnte. Er lernte, seine Wut wahrzunehmen, ohne augenblicklich Wut zu schnauben. Er lernte, liebevoll an seine Eltern zu denken, ohne zu versuchen, ihnen alles recht zu machen. Er lernte, große Zusammenhänge zu begreifen und nicht alles aus der eigenen Perspektive zu betrachten. Nach und nach wurde er weiser und weiser. So stelle ich mir das vor.

Am Anfang dieser Weisheit steht ein Traum, in dem alles möglich ist, und in dem sich Salomo wünscht, selbst denken und entscheiden zu können. Ein Traum, in dem Gott sich über diesen Wunsch freut und verspricht, ihn zu erfüllen. (1)

Salomo wünscht sich, von sich selbst absehen zu können, vor Gott stille zu halten und einfühlsam zuhören zu können. Er bittet weiter darum, dass er die Fähigkeit von Gott geschenkt bekommt, das Erkannte, das Rechte auch in die Tat umzusetzen. Damit ist Zwiespalt zwischen Wissen und Leben, zwischen rechter Erkenntnis und rechtem Handeln geschlossen. Damit wird die Sehnsucht nach einem ganzheitlichen Leben gestillt.

In der Hebräischen Bibel, im AT, ist das Herz das Erkenntnisorgan. In unserem Kulturkreis ist das Herz eher der Raum für das „Gefühlige“. Erkenntnis und Verstand verorten wir eher im Gehirn.

Gott erfüllt Salomo seine Bitte. Und weil er das Wichtigste erbeten hat, schenkt ihm Gott das weniger wichtige noch dazu: Reichtum und Ehre.

Hier zeichnet sich schon ab, was Jesus später auf seine Weise verkündigt hat: Strebt vor allem anderen nach Gottes Reich und seiner Gerechtigkeit – dann wird Gott euch auch alles andere schenken“ (Mt 6,33). (2)

Wie könnte ein hörendes Herz sich heute auswirken, sich zu erkennen geben?

Ein hörendes Herz stellt Fragen:

Fragen wie: Geht es hier wirklich um gut oder böse, entweder oder, oder gehen auch Kompromisse? Verstehe ich den anderen richtig oder urteile ich nur hart, weil ich etwas nicht nachvollziehen kann.

Ein hörendes Herz, mit weniger Härte.

Nicht mehr hart sein wie eine Mauer, die schreit: „An mir rennst du dir die Birne ein; du musst anders werden! So, wie du bist, bist du nicht richtig.“

Nicht weiter „Das ist mein gutes Recht, und was für dich bleibt, ist mir egal“.

Nicht mehr: „Das habe ich mir jetzt aber verdient, und was nach mir kommt, müssen die Nachfolgenden tragen. Schließlich hat ja jeder sein Päckchen zu tragen …“

Weniger „Jetzt bin ich aber mal dran!“

Weniger urteilen, mehr nachfragen, weniger gegen die anderen, mehr miteinander entwerfen und entwickeln.

Und was heißt das positiv? Milde sein. Sanft. Und zart. Weniger hart, mehr stabil und klar. Wie ein Baum.

Verwurzelt und verbunden mit anderen. Verankert in den tiefen Schichten … im Wissen der früheren Jahrhunderte. Und mit Wurzeln in den Himmel … angebunden an eine Hoffnung, dass da drüben noch mehr ist.

Möchte ich weich werden? Eher nicht. Sondern hörend und … weise. Und dabei klar und erkennbar.

Eben nicht nachgiebig wie schwammiges Moos, sondern stabil wie ein Baum. Dabei so flexibel, dass der Sturm mich nicht bricht.

So beweglich, dass Fragen mich rühren, erreichen.

Aber nicht widerstandslos, austauschbar, eindrückbar. Sondern stabil und sicher wie der Stamm eines Baumes.

Weniger Härte. Mehr Sanftmut. Mich anderen zuwenden und hinhören. Weniger Härte, mehr hörendes Herz.  

 

Gebet:

Gott, in diesem Wirrwarr an Herausforderungen und Möglichkeiten suche ich Ruhe.     Leite meine Gedanken, damit ich nicht aus Angst oder Stolz entscheide,
sondern aus innerem Frieden heraus.

Gott, gib mir ein hörendes Herz.

Gott, du hast versprochen, dass du jedem Weisheit gibst, der dich darum bittet.
Schenk mir heute einen klaren Blick und die Fähigkeit,
das Wesentliche vom Unwesentlichen zu unterscheiden.

Gott, gib mir ein hörendes Herz.

Gott, schenke mir nicht nur Wissen, sondern Weisheit,
dieses Wissen auf mein Leben anzuwenden.

Gott, gib mir ein hörendes Herz.

Gib mir die Klarheit zu sehen, was richtig ist,
was dem Menschen dient und was ihm schadet,
und den Mut, nach deinem guten Willen für uns zu handeln.

Gott, gib mir ein hörendes Herz.

Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann,
den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann,
und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.

Gott, gib mir ein hörendes Herz.

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