455 5nach6_09.01.26_Licht der Welt Ps 27
Quelle: Gottesdienst-Institut der ELKB, Gottesdienst zur Christnacht (2025) (Art.-Nr.2583), darin: Christof Hechtel, Anregungen für die Verkündigung (Zitate kursiv)
Material: Bildkarte „Licht auf Erden“, Hg. Gottesdienst-Institut der ELKB
Hat jemand von Ihnen schon einmal so etwas gesehen, wie auf dieser Karte, die Sie vor sich haben? Die Farben, ein Leuchten in Blau, Grün und Violett. Als hätte ein Maler mit einem kühnen Pinselstrich eine geschwungene Linie an den Himmel gemalt. Das Licht, die Weite, der Himmel, das Meer, die Berge, der Schnee. Fast unwirklich sieht es aus. Und zauberhaft. Man kann es so sehen. Im Hohen Norden. In der Heimat der Polarlichter. Wie aus dem Nichts flackern sie auf, bewegen und verschieben sich, als wollte das Licht am Himmel tanzen. Und wir stehen und staunen. Atemberaubend.
Man kann das, was so faszinierend aussieht, auch naturwissenschaftlich erklären: … Selbst wenn man das weiß, …, löst dieses Naturphänomen etwas in uns aus. Es ist wie in einem Traum. Aber es ist kein Traum. Es ist wahr, weil dieses Licht wirklich so leuchtet. Das kann einen still werden lassen.
Die Augen sehen das Polarlicht. Sie ahnen etwas von der Weite des Weltalls. Gleichzeitig wird etwas in uns angerührt. Er erinnert uns daran: Es gibt etwas, das viel größer ist als wir. „Schöpfung“, dieses alte Wort taucht auf. Der Schöpfer, der alles gemacht hat, …, Gott. Mit einem „ich bin da“ (JAHWE) meldet er sich zu Wort, als er Mose in der Wüste begegnet. Mit diesem „ich bin da“ stellt Gott sich ihm vor. … Eine Ahnung taucht auf: Gott, der sich selber „ich bin da“ nennt, ist größer als mein Alltag, unendlich in seinem Wirken und doch tief mit uns verbunden. So kann das Betrachten eines Himmelsphänomens einen tiefen Eindruck in uns hinterlassen.
In diesem Sehen, Ergriffensein, Staunen, Glauben oder vielleicht auch manchmal Zweifeln erreicht uns noch im Licht von Weihnachten … ein Bibelwort zum Thema Licht. Es lautet: „Ich schreibe euch ein neues Gebot, das wahr ist in ihm und in euch; denn die Finsternis vergeht und das wahre Licht scheint schon.“[1] …
Dass Licht scheint hell und Finsternis vergeht… Das wünscht sich jede/r. Man kann ins Zweifeln kommen, wenn man auf das schaut, was in der Welt im Moment los ist. …
Wenn wir das heute … hören, verstehe ich es so: Durch das Kind in der Krippe, das das Licht der Welt ist, wird der Zusammenhang von hell und dunkel, von Licht und Finsternis neu definiert (bestimmt). … Dunkelheit bleibt nicht … dunkel. Und Finsternis verliert ihren Schrecken. Weihnachten bringt das an den Tag: Die Finsternis hat ihre Macht verloren. Sorgen werden nicht endlos sein. Ängste können vertrieben werden. Traurigkeit dauert nicht ewig. Denn so wird es ab jetzt immer sein: „die Finsternis vergeht und das wahre Licht scheint schon“. Das ist die Verheißung. Darauf ist Verlass ...
Mit „das wahre Licht scheint schon“ ist Jesus gemeint. Das Kind in der Krippe. Der Mensch, der von Gott kommt, in dem Gott kommt. Er kam, um hier bei uns auf der Erde Mensch zu sein.
Eigentlich unglaublich, diese neue Sicht auf die Welt, die Licht verkündet, wo es nach Dunkelheit aussieht. Damit wir es leichter glauben können, ist diese Botschaft wie ein Geschenk schön verpackt: In den Bildern der Weihnachtsgeschichte. Es ist Nacht, der Sternenhimmel leuchtet. Es ist klar. Da taucht ein neuer, bisher ungesehener Stern auf. Ein Klang wird hörbar. Engel singen. Menschen auf dem Feld sehen plötzlich mehr als nur Schafe. … Es ist Großes, das hier geschieht.
Als wir am Heiligen Abend vor der Krippe standen, konnten wir eine Ahnung davon bekommen. Es ging um mehr als um ... Krippenspielromantik. Wir waren da, um uns von Gottes Licht berühren zu lassen. Wir sangen Lieder. Wir sprachen Gebete. Wir warteten auf den Segen. Wir wünschten uns, dass uns im Feiern etwas erreicht von dem himmlischen Licht – und über die Feiertage hinaus wirksam wird.
Das himmlische Licht, das … sich dadurch auszeichnet, dass es Kraft hat und wirkt. Es kann Finsternis vertreiben. Finsternis auf dieser Welt, von der haben wir im Moment mehr als genug. Mehr Finsternis brauchen wir nicht. Mehr Licht schon. Deshalb feiern wir Weihnachten. Wir versuchen, das Helle, das Schöne bei uns zuhause und in der Kirche nachzubilden, damit es lebendig unter uns aufscheint, weiterwirkt, selbst in dunkler Zeit.
… Es soll Veränderung geben. Vom Dunklen ins Helle. Von der Finsternis ins Licht. So wie es uns Gott vorgemacht hat in der Heiligen Nacht. Das ist das, was zusammengehört: Das unerhörte Leuchten des Alls am Himmel und das kleine Leuchten in unseren Wohnzimmern. Johannes übrigens bezieht das Licht, dieses Leuchten auf den Umgang von uns Menschen miteinander. Das Licht steht für Menschlichkeit. Für Liebe. Für ein Miteinander, das den Namen „Miteinander“ verdient. Es geht um eine Verwandlung von uns Menschen ins Helle.
Schauen wir an dieser Stelle noch einmal auf das Bild: Da geht es nicht allein um das Spektakuläre, Großartige, das große Leuchten am Himmel. Da ist auch noch ein kleines Licht. Eigentlich schafft erst dieses kleine Licht die weihnachtliche Atmosphäre dieser Karte aus. Wäre nicht dieses kleine Licht an der Kante des großen Berges, das Bild wäre nichts weiter als eine imposante Naturaufnahme.
Interessant ist, dass man gar nicht genau sagen kann, was das eigentlich ist. Wie kann man sich das in Wirklichkeit vorstellen? Biegt da ein Auto um die Ecke auf einer Straße am Berg? Ist das einfach eine Beleuchtung, vielleicht eine Straßenlaterne, an einer Stelle, an der man Licht braucht? Ist da jemand mit einer extrem starken Taschenlampe unterwegs, mitten in der Nacht, um das Polarlicht zu bestaunen? Man weiß es nicht.
Dieses Licht lässt mich nachdenken. Auch ein klitzekleines Licht… Es kann hell scheinen in der Nacht. Gerade ein kleines Licht ist es, das von der Geburt Jesu erzählt. In einem unbedeutenden Ort am Rande der Welt. Dort ist Jesus geboren, Gottes Sohn. Er steht dafür, dass Licht die Dunkelheit vertreibt. Dafür braucht es gar nicht die große Bühne. Die Idee, dass Dunkelheit nicht das letzte Wort auf dieser Welt hat, kann klein beginnen.
Und so war es auch. Ein Stall hat genügt. Nicht einmal in einem Haus ist Jesus geboren, sondern außerhalb. Von da haben sich das Licht und die Botschaft ausgebreitet. Bis zu uns heute, … Was damals begann, hat Gültigkeit behalten. Johannes hat es schon damals begriffen und aufgeschrieben: „Ich schreibe euch ein neues Gebot, das wahr ist in ihm und in euch; denn die Finsternis vergeht und das wahre Licht scheint schon“.
Bleibt immer noch die Frage, ob es wahr ist, was Johannes geschrieben hat. Weihnachten führte uns dahin, dass wir auf das Kleine vertrauen. Es ist ein Kind, das in der Krippe liegt. Klein, verletzlich. Es ist auf die angewiesen, die um es herum sind. Eltern, Hirten, Engel. Man sieht ihn in einer Krippe liegen.
Irgendwie sehnen wir uns aber immer eher nach dem Großen als nach dem Kleinen. Unsere Kirche soll am besten immer so voll sein wie an Weihnachten. Veränderungen in den Krisenherden unserer Zeit sollen rasch geschehen. Sorgen auf Knopfdruck verscheucht werden. Ein Ende der Trauer soll es geben, ... Aber so ist es nicht. Klein kam Gott auf die Welt. Keine Erleuchtung im großen Stil. Ein leises, fast unscheinbares Aufleuchten von Helligkeit wie auf dieser Karte am Rand eines großen Berges. Und doch ist dadurch alles anders …
Konzentrieren wir uns auf die Suche nach dem Licht. Dem Licht, das Gott uns mit der Geburt seines Sohnes an Weihnachten versprochen hat. Tun wir uns zusammen und feiern wir Weihnachten als Gegengengewicht gegen diese oft so verrückte Welt. Gegen Menschen, die wehtun und Verkehrtes sagen. Gegen Wortverdreher, die meinen, sie könnten die Wahrheit biegen, wie sie wollen. All die haben vergessen, dass etwas Neues in die Welt gekommen ist, dieses neue Gebot, das wahr ist in ihm und in euch; denn die Finsternis vergeht und das wahre Licht scheint schon.“
Lassen Sie uns … im Geiste der Weihnacht unterwegs sein, so wie wir sind. Mit den Mitteln, die uns zur Verfügung stehen. Vielleicht in kleiner Zahl, aber in der Freude, dass wir zusammen sind. In dem Licht, das wir weitergeben. In der Stille, in der wir Gott hören. Mit der Zuversicht und im Glauben, dass das wahre Licht sichtbar wird. Dort, wo damals Jesus geboren wurde und hier bei uns. In ihm und in euch, sagt Johannes, beginnt es und es ist schon da: Die Finsternis vergeht. Hören wir Johannes zu. Es steckt so viel Weihnachten in seinen Worten: „Ich schreibe euch ein neues Gebot, das wahr ist in ihm und in euch; denn die Finsternis vergeht und das wahre Licht scheint schon“.
Gott, du Quelle der Liebe,
du Ursprung des Lebens,
du Ziel unserer Tage.
Ein neues Jahr empfangen wir aus deinen Händen.
Du gibst uns Atem und Geist.
An uns soll deine Liebe sichtbar werden.
Deine Liebe
für die Hoffenden:
für die Kinder, die in diesem Jahr geboren werden,
für die Suchenden, die zu Neuem aufbrechen,
für die Unbeirrbaren, die an dir festhalten.
Deine Liebe
für die Kranken,
für die Hungernden,
für die Müden und die Trauernden,
für die, die wir loslassen müssen.
Deine Liebe
für die Opfer von Krieg und Gewalt,
für die Verschleppten und Gefolterten,
für die, die sich für andere aufopfern,
für die, die helfen.
Deine Liebe, wo unsere Liebe versagt,
für die Mächtigen,
für unsere Feinde,
für die Kriegstreiber,
für die Lügner und Betrüger.
Deine Liebe
für deine Schöpfung,
für die aussterbenden Arten,
für die durch die Klimakatastrophe bedrohten Landschaften,
für die Tiere, mit denen wir unser Leben teilen.
Deine Liebe ist größer als alles,
du ewige Lebenskraft.
Aus deinen Händen nehmen wir dieses Jahr.
Jeden Tag soll deine Liebe uns erfüllen
durch Jesus Christus,
deinen Sohn und unseren Bruder.
Amen. Quelle: Wochengebet der VELKD, www.velkd.de (bearbeitet)
[1] 1Joh 2,8.