Freitags 5nach6 - Mensch und Arbeit

04. Mai 2026

467_5nach6_01.05.2026_Mensch und Arbeit, eine Beziehungsgeschichte  Ps

Beten und Arbeiten ora et labora – das ist das „Kurzprogramm“ vieler Ordensgemeinschaften, es geht zurück auf den Benediktiner-Orden. Gut fügt es sich, dass unser Nachdenken darüber fast zusammenfällt mit dem 1. Mai, dem Tag der Arbeit.

Mit Fug und Recht kann man Gott als den „ersten Arbeiter“ bezeichnen, denn er schafft, er erschafft. Das gehört zum Wesen der Arbeit, dass sie etwas bewirkt. Und auch Jesus, dem Zimmermannssohn, dürfte die Arbeit alles andere als fremd gewesen sein. Mit etwa 30 Jahren begann er sein Wirken als Wanderprediger. Gut möglich, dass man ihn als „gelernten Zimmermann“ bezeichnen kann. Und die Gleichniserzählungen, mit denen er seine Botschaft von der Liebe Gottes veranschaulichte, stammen zu einem großen Teil aus der Erfahrungswelt der damaligen arbeitenden Bevölkerung: Fischer, Bauern …  

Was ist Arbeit? Der Duden, der sich mit der Herkunft und Bedeutung von Wörtern befasst, nennt ein altgermanisches Wort, das so viel bedeutete wie „verwaist sein und zu schwerer körperlicher Arbeit verdammt sein.“ Kurz: allein sein, auf sich gestellt sein, um mühsam sein Leben zu sichern. Das klingt – alles in allem - nicht attraktiv.

Todesanzeigen spiegeln das gelegentlich wider:

Müh‘ und Arbeit war sein Leben, Ruhe hat ihm Gott gegeben.
Du hast für uns gesorgt, geschafft, oft ging es über deine Kraft.
Nur Arbeit war dein Leben, nie dachtest du an dich,
für deine Lieben streben, war deine höchste Pflicht.

Arbeit umfasst mehr als nur die Lohnarbeit, die Arbeit für Geld, das schließt auch die vielfältigen, nicht entlohnten fürsorgenden Arbeiten ein, die in Familie, Nachbarschaft, im Ehrenamt und andernorts geleistet – und oft übersehen werden. Selbst unser letzter Herzschlag ist – physikalisch betrachtet – nichts als Arbeit. Psychologen kennen die Trauerarbeit, die Arbeit an einer Beziehung. Und natürlich arbeiten Sie, wenn Sie mir jetzt zuhören und das bedenken, was ich sage … 

Wie ist unser Verhältnis zur Arbeit? Im Deutschen sind es die kleinen Verhältniswörter, die die Beziehung zwischen zwei Nomen (oder Pronomen) beschreiben. Die Kerzen stehen auf dem Altar. Ich stehe vor euch. Als Deutschlehrer habe ich Grammatik immer gemocht, weil man damit vieles klären kann – wenn man es nicht gedankenlos macht.

Probieren wir das mal mit dem Wort „Arbeit“ und verschiedenen Verhältniswörtern aus …

Der Mensch lebt. (Nach jedem der folgenden Abschnitte eine kurze Pause!!!)

Der Mensch lebt trotz Arbeit.

Das hört sich an, als ob die Arbeit etwas Lebensfeindliches und nicht etwas Lebensdienliches ist. Wenn es so ist, läuft etwas verkehrt. Die Arbeit selbst – das was ich tue, die Bedingungen, unter denen ich es tue, und das Ergebnis meiner Arbeit müssen meinem Leben und dem Leben anderer dienen.

Der Mensch lebt während der Arbeit.

Nur wo ich gern bin, kann ich gut sein. Nur wo ich Mensch sein kann, als Mensch respektiert werde, menschliche Arbeitsbedingungen habe, kann ich gute Arbeit leisten.

Der Mensch lebt wegen der Arbeit.

Dann wären wir Sklaven, denn die wurden nur gekauft und von den Sklavenhaltern am Leben gehalten, solange sie arbeiteten.

Der Mensch lebt mit Arbeit.

Der homo faber, der schaffende Mensch, der durch seine Existenz sich, seine Mitmenschen und seine Umwelt beeinflusst, verändert gestaltet – ja, so sind wir. Auch Arbeit gibt unserem Leben Sinn, dient unserer Selbstverwirklichung, verschafft uns Anerkennung, macht uns zu Partnern des ersten Arbeiters – zu Partnern Gottes, des „Schöpfers“.

Der Mensch lebt nach der Arbeit.

Es muss auch ein Leben jenseits der Arbeit geben, der Mensch darf nicht in der Arbeit aufgehen, in ihr verschwinden, verloren gehen, untergehen.

Der Mensch lebt von der Arbeit.

Mit der eigenen Arbeit verdiene ich meinen Lebensunterhalt. Die Arbeit anderer hilft mir zu leben. Aber es gibt auch andere Quellen des Lebens – die Liebe, die Natur, die Freude …

Der Mensch lebt durch Arbeit.

Wenn ich einen weiten Begriff von Arbeit habe – Herzschlag, Beziehungsarbeit, nachdenken – mag das sein. Gefährlich wird es, wenn die Lebensäußerungen des Menschen auf seine Arbeit reduziert werden. „Arbeit macht frei“ schrieben die Nazis zynisch über die Tore vieler Konzentrationslager, weil sie den Menschen auf seine Funktion als Arbeitstier reduzieren wollten.

 Der Mensch lebt für die Arbeit.

Das wäre schlimm – und doch geschieht es.

Der Mensch lebt ohne Arbeit.

Der Rentner, die Kranke, das Baby – sie leben ohne Lohnarbeit, sie lassen sich Leben durch die Arbeit anderer schenken. Aber wenn sie nur Nutznießer von Arbeit anderer sind und nicht auch Zuwendung erfahren, werden sie nicht überleben. Arbeit ist eben nicht alles …

Im Schweiße deines Angesichts sollst du dein Brot essen, (1Mose 3,19), natürlich – ich muss mich bei meiner Arbeit bemühen und anstrengen, um mein täglich Brot (und einiges darüber hinaus) zu verdienen. Jedoch: "Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von einem jeglichen Wort, das durch den Mund Gottes geht." (Mt 4,4) Wenn das Brot nicht alles ist, dann ist auch die Arbeit nicht alles.

Arbeit ist ein Gesetz des Lebens – nicht das Gesetz des Lebens. Und der Sabbat ist für den Menschen da, nicht der Mensch für den Sabbat.« (Mk 2,27). Der Sabbat steht für Jesus stellvertretend für „das Gesetz“ – und dann gilt das auch für die Arbeit: Die Arbeit ist für den Menschen da, nicht der Mensch für die Arbeit.

Merkwürdig, nicht wahr – wie sehr sich diese religiösen Gedanken mit gewerkschaftlichen Forderungen für eine faire und menschliche Arbeitswelt berühren! Kein Wunder, dass viele Religionslehrkräfte, die ich kennengelernt habe, gleichzeitig auch engagoerte Mitglieder in der Lehrergewerkschaft waren …

Gebet

Gott in deinem Geist wachsen wir dir entgegen als Schwestern und Brüder.
Was uns trennt, willst du überbrücken.
Was uns belastet, wollen deine entlastenden Worte von uns nehmen.
Was uns zerstört, soll überwunden werden durch Hoffnung und Kraft,
die du uns schenkst.

Leite unsere Gedanken, dass wir erkennen,
wie unser Leben reicher wird, indem wir teilen,
wie unser Leben reicher wird durch Freude an Gerechtigkeit,
wie unser Leben reicher wird durch die Freiheit,
wie unser Leben reicher wird durch die Gnade,
die du uns schenkst und die wir weitergeben können.

Leite unsere Gedanken zu diesem 1. Mai, dass wir erkennen:
Überall, wo Menschen in unterschiedlichster Weise arbeiten,
soll es geschehen im Geist der Liebe.
Liebe gewinnt Gestalt, wo Menschen teilen, gerecht sind, Freiheit schenken und nutzen, gnädig sind. 
Nimm von uns, was knechtet,
und lass uns zu Zeuginnen und Zeugen deiner Barmherzigkeit werden.

Amen

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St. Johannis Königsdahlum