Freitags 5nach6 - Hoffen d lich

30. Januar 2026

457 5nach6_30.01.26_Hoffen d lich                Ps 23

„Gott spricht: Siehe, ich mache alles neu“ (Offenbarung 21,5), das hat Johannes in einer Vision verlebt. Diese Verheißung steht als Losung, also als „Überschrift“ über 2026.

„Na, dann hoffen wir das Beste und schauen mal, was Gott macht“, möchte man meinen. Doch der Volksmund warnt: „Hoffen und Harren hält manchen zum Narren!“ Das seltene Wort „Harren“ meint ein sehnsüchtiges, geduldiges Warten auf die Erfüllung einer Verheißung. Ist das närrisch? Sollen wir das Hoffen und Erwarten aufgeben?

Nun könnte man natürlich sagen, dass die Losung „Gott spricht: Siehe, ich mache alles neu“  aus der Offenbarung stammt und sich auf das Ende der Welt bezieht – und auf alles, was danach erst kommt. Das wird in der Offenbarung (21, 1-5) ja ebenfalls ausgemalt. Sie kennen diese Stelle aus der Beerdigungs-Liturgie:

1Und ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde; denn der erste Himmel und die erste Erde sind vergangen, und das Meer ist nicht mehr. 2Und ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, von Gott aus dem Himmel herabkommen, …

3Und ich hörte eine große Stimme von dem Thron her, die sprach: Siehe da, die Hütte Gottes bei den Menschen! Und Gott wird bei ihnen wohnen, und sie werden seine Völker sein, und er selbst, Gott mit ihnen, wird ihr Gott sein; 4und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen.

Und direkt daran schließt an unsere Jahreslosung: 5Und Gott, sprach: Siehe, ich mache alles neu!

Und bis dahin? Also doch hoffen und harren? Hoffnungsvoll abwarten? Nein, das Reich Gottes ist keine Angelegenheit für den St. Nimmerleinstag am Ende aller Zeit!

Jesus ist da ganz klar (Lukas 17, 20f): 20Die Pharisäer fragten Jesus: »Wann kommt das Reich Gottes?« Jesus antwortete: »Das Reich Gottes kommt nicht so, dass man es an äußeren Anzeichen erkennen kann. 21Man wird auch nicht sagen: ›Schau her, hier ist es!‹, oder: ›Dort ist es!‹ Nein, das Reich Gottes ist schon da – mitten unter euch.«

Hoffen ist nicht närrisch! Höchstens die Verbindung von Hoffen mit dem Harren, dem ge-duldigen Abwarten ist es! Sich hoffnungsvoll im Sessel zurücklehnen und die Hände in den Schoß legen, das kann närrisch sein!

Christen leben genau in der Spannung zwischen diesen beiden Bibelstellen. Noch ist das Reich Gottes nicht vollkommene Wirklichkeit, aber es hat schon angefangen. Wir leben in der Spannung zwischen „Noch nicht“ und „Schon jetzt“. Im Grunde leben wir in einer Art Advent: Wir haben die einzelnen Kerzen, aber das weihnachtliche Leuchten und Funkeln, das steht noch aus.         

Gott will in dieser Zeit unser Begleiter sein, wenn wir losgehen – nicht, wenn wir es uns im Sessel gemütlich machen. (Doch dann auch, aber erst später 😊) Zahllose biblische Erzählungen zeigen uns den begleitenden Gott, der mit seinen Menschen unterwegs ist:

 Abraham, der auf eine Verheißung hin mit seiner Sippe das Stammland im heutigen Irak verlässt und ins heutige Israel aufbricht.                                                                                 

Mose, der im Auftrag Gottes die in Ägypten unterdrückten Israeliten in die Heimat und Freiheit führt.

Die alttestamentlichen Propheten, die im Lande unterwegs sind und versuchen, die Israeliten auf den richtigen Weg zu bringen.

Die Hirten auf den Feldern vor Bethlehem, die auf die Botschaft der Engel reagieren und zur Krippe eilen.

Jesus, der in Israel umherzieht und in Wort und Tat die Liebe Gottes predigt.

Paulus, der diese Botschaft im ganzen Mittelmeerraum verbreitet. Und viele andere …

Sie gehen auf eine göttliche Verheißung hin los, um zu sehen – wie es die Losung fordert - und ihren Teil dazu beizusteuern, dass die göttliche Verheißung erfahrbar wird.

Hoffnung ist also kein billiges und abwartendes „Wird schon werden“! Hoffnung ist die anregende, in Gang bringende Vorfreude darauf, dass etwas möglich ist, mindestens ansatzweise.

Wie kann das aussehen? Hoffnung hat viele Gesichter …

Eines dieser Gesichter beschreibt der Journalist Matthias Hoeffchen (ders., Hoffnung ist Widerstand, Ev. Zeitung, 25.01.2026, S.2):

Wenn man ständig erlebt, wie Grenzüberschreitungen folgenlos bleiben, Regeln, Anstand und Gesetze außer Kraft gesetzt werden, wie Lügen im Sekundentakt die Wahrheit zersetzen, dann droht Resignation, dann wankt das Vertrauen.

Christen/innen sprechen in solchen Lagen … von Hoffnung. Das ist kein billiger Trost. Hoffnung ist Widerstand. Eine bewusste Gegenkraft gegen das, was Menschen entmutigt und entmenschlicht. Kerzen, Gebete, Worte und Taten des Mitgefühls und der Nächstenliebe machen selten Schlagzeilen. Sie sprengen keinen Beton. Aber sie halten etwas lebendig, das sonst verloren ginge: Menschlichkeit, Orientierung und Würde.

Der Mensch als Ebenbild Gottes wird dann erkennbar. In dem, der Nächstenliebe praktiziert wie in dem, der sie erfährt. So beginnt das Reich Gottes mitten unter uns. Das sind die einzelnen Lichter auf dem Weg zum Lichtermeer.

Christen/innen vertrauen auf die österliche Hoffnung der Auferstehung am Ende ihrer und aller Tage. Bis dahin sind sie als wanderndes Volk Gottes und Arbeiter in seinem Weinberg hoffnungsvoll mit ihrem Gott unterwegs und arbeiten daran, dass das Reich Gottes schon in dieser Welt ansatzweise spürbar werden kann.

In meinem Arbeitszimmer hängt seit vielen Jahren ein Plakat des Ev. Missionswerkes. Raue, harte und schwere Fußwegplatten aus Beton sind so verlegt, dass die Fugen, an denen sie zusammenstoßen, ein Kreuz bilden. Und genau aus diesen Fugen wächst ein Löwenzahn.

Hoffentlich … Ist Ihnen schon mal aufgefallen, dass das t in der Mitte aussieht wie ein Kreuz. Und dass danach noch etwas kommt!  

Oder so: Hoffen d lich – schreiben Sie es auch mal mit d statt mit t in der Mitte. Das ist nicht ganz richtig, aber im Sinne der Losung für 2026 und im Sinne des zitierten Journalisten richtig gedacht.  

 

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